Freier Fall

Disziplin und Selbstoptimierung schützen uns nicht vor der unbarmherzigen Willkürlichkeit des Lebens.

Advertisements

Kontrolle, so heißt es in der US-amerikanischen Serie Mr. Robot, sei in etwa so real wie ein einbeiniges Einhorn, das an das Ende eines doppelten Regenbogens pisst. Wie Religion, Hierarchien und unsere Gesellschaft selbst ist mit anderen Worten auch dieses ein rein fiktives, von Menschen erschaffenes Konzept, das einzig und allein dem Zweck dient, unserem Dasein einen Sinn zu verleihen. Continue reading „Freier Fall“

Königreich der Angst

Die deutsche Medienlandschaft produziert den wahren Terror

Ganz Deutschland sitzt am 22.07. gebannt vor der RTL Liveberichterstattung über die Vorkommnisse in München. Ein Mensch betritt die Straße und schießt auf Menschen. Terror in München. Das erzeugt Klickzahlen und Einschaltquote. Im Netz wird spekuliert, während die Münchener Polizei mahnt voreilige Schlüsse zu ziehen.

Continue reading „Königreich der Angst“

Dein Einkauf verrät alles über dich!

Das Förderband im Supermarkt als komprimierte Darstellung des Selbst

(Manche) Menschen leben in stetiger Reflexion ihrer Außendarstellung. Sie kontrollieren ihre Kommunikation und visuelle Erscheinung. Ziel ist ein kohärentes Bild, welches eindeutig die gewünschten Eigenschaften vermittelt – frei von Paradoxa und Widersprüchen. Die externe Wahrnehmung wird soweit wie möglich beeinflusst und gesteuert.  Continue reading „Dein Einkauf verrät alles über dich!“

Modern times fressen $eelen auf

Job und Wohnort sind zentrale Faktoren der narrativen Identität. Einmal in Abhängigkeit des routinablen Broterwerbs, wird dieser zum zentralen Maßgeber der emotionalen Konstitution. In welche Richtung der Regler gedreht wird, ist ganz unabhängig vom karthatischen Mitteilungsdrang des Arbeitnehmers. Der ausgeübte Job ist von so wesentlicher Wichtigkeit, dass sanfte Störer oder marginale Erfolge ein unverhältnismäßiges inneres Lodern verursachen. Continue reading „Modern times fressen $eelen auf“

Die Korrelation von Befindlichkeit und Recht

Bei Satre heißt es L‘ Enfer c’est les autres („Die Hölledas sind die anderen“) und nach dieser Maxime erlebt der Mensch seine Umgebung. Nahezu alles ist ihm eine „Zumutung“, absolut jeder Mitmensch ist ein stinkendes Schwein, ein geschwätziger Proll oder ein unkultivierter Bauer. Das Durchschreiten einer Großstadt ist ein Spalierlauf hindurch brodelnder Dampftöpfe, deren Deckel drohen vom Siedeschaum – brennend heiß – zu Boden zu schlage. Continue reading „Die Korrelation von Befindlichkeit und Recht“

Planet der Affen.

Festivals sind Mikrokosmen, die uns im Zeitraffer auf Primatenstatus zurücksetzen – und darauf stehen wir

Festivals sind von Grund auf widerlich. Das weiß so ziemlich jeder, der schon einmal eines besucht hat. Größe, Lage und musikalische Ausrichtung spielen dabei eine herzlich geringe Rolle. Denn kaum stolpert man aus dem mit minderwertigem Campingequipment, Konserven und vor allem Alkohol vollbeladenen Auto, ist auch schon alles mit einer sich sekündlich verdichtenden Schmutzschicht überzogen – man selbst inbegriffen.

Continue reading „Planet der Affen.“

Endlich richtig scheißen gehen.

Es bedarf einer Revolution in der Architektur der Toilette.

Kennen Sie das? Man besucht eine öffentliche Toilette, schreitet die Kabinen ab und wählt einen freien Raum mit dem größtmöglichen Abstand zum Nebenmann. Je kleiner die Toilette, desto weniger Kabinen, je weniger Kabinen desto größer die Aufmerksamkeit für den nebenan agierenden Menschen. Continue reading „Endlich richtig scheißen gehen.“